Juttas Blog – Part 1

Volontärinnen-Alltag

Ca 36 km nördlich von Phnom Penh an der Nationalstraße 6 (Richtung Siem Reap) liegt die „Khemara Kidshelp School. Bis 2012 umfasste die Schule 8 Klassenräume, von denen 2 allerdings im Eingangs- und Außenbereich liegen. 2012 wurde ein zusätzliches Gebäude mit 2 weiteren Klassenräumen errichtet, so dass zwischen 13 und 16 Uhr und am frühen Abend von 17 bis 19 Uhr insgesamt bis zu 400 Kinder und Jugendliche von bis zu 10 Lehrer*innen unterrichtet werden können.

Unterstützung der einheimischen Englischlehrer*innen kommt von zurzeit 2 Volontärinnen.

Wir, das sind Laura, die letztes Jahr Abitur gemacht hatte, danach jobbte, um soviel Geld zu verdienen, um mehrere Länder Südostasiens besuchen zu können, bevor sie am 18. Februar für 3 Monate nach Kambodscha zur „Khemara Kidshelp School“ kam und ich.

Jede von uns hat ein eigenes, einfach eingerichtetes Zimmer im 2. Stock der Schule, auf der Etage, auf der auch die Familie der Schulleiterin Khemara lebt. Laura und ich teilen uns ein kleines Bad mit Toilette. Da der Klempner des Ortes noch nie eine westliche Toilettenschüssel eingebaut hatte, befindet sich das Klo so dicht an 2 Wänden, dass Mensch ohne Verrenkungen zu machen, nur 2 Möglichkeiten hat, die Toilette zu benutzen: entweder über die von der Wand abgewandten Seite oder mit einem fast „eingeklemmten“ linken Bein und angezogenen Knien.

Es gibt keine fest installierte Wasserspülung – dafür einen  mittelgroßen Wasserbehälter mit einer Schöpfkelle und (eigentlich super) eine kleine „Po-Dusche“ wie bei einem richtige Bidet.

Der Wasserdruck der eigentlichen Dusche ist so gering, dass ich lieber die Schöpfkelle als Duschersatz benutze.

Das ist auch einer, der in Wirklichkeit vielfältigeren Gründe, warum wir meistens am Wochenende unterwegs sind: vor allem, um die Sehenswürdigkeiten und das Alltagsleben auf den Straßen und Märkten in Phnom Penh und den Provinzen kennenzulernen, aber auch um mal wieder richtig zu duschen.

Ich dusche abends und zum Wachwerden auch kurz morgens. Abends ist es deshalb nötig, weil es tagsüber immer so um die 35 – 36° heiß ist, bei ziemlich hoher Luftfeuchtigkeit, aber auch, weil die Fußsohlen regelmäßig schwarz sind. Der Grund: im ganzen Haus wird barfuß gelaufen und da die Reinigung der Räume, des Treppenhauses und der Eingangshalle etwas zu wünschen übrig lässt und darüber hinaus der Staub durch die Fenster hereinbläst, sammelt sich Staub und sonstiger Schmutz eben auf dem Boden und damit auf den Fußsohlen.

Morgens könnten wir eigentlich so lange schlafen, wie wir wollten, da alle unsere Schüler*innen vormittags zwischen 6.30 und 11 Uhr zur öffentlichen Schule gehen. Doch die Hitze und der Lärm der Straße, der benachbarten Entenzucht, der Gesang, der von einem der zahlreichen buddhistischen Tempel herüberdringt und der Lärm der Tauben, die über uns auf dem Dach ihr Zuhause haben und allen hier Glück bringen sollen, ihr Scharren und Über-den-Boden-schlittern beim Starten und Landen tragen dazu bei, dass wir uns meistens zwischen 8 und 8.30 Uhr eine Guten-Morgen-WhatsApp schicken, um abzusprechen, wann wir zum Frühstück-Einkaufen losgehen wollen.

Wir könnten zwar auch mit der Familie essen, aber da auch zum Frühstück die Reis-Variante sich nicht/ kaum vom Mittag- und Abendessen unterscheidet, haben wir entschieden, dass wir uns morgens selbst verpflegen. Zu Fuß oder per Fahrrad geht es die Nationalstraße Nr. 6 ein kurzes Stück längs bis zu einem der zahlreichen kleinen Straßenhändler, die Obst anbieten. Meistens ist dies ein „untergeordneter“ Angebotsposten in der Palette, die Gemüse, oft auch in 2 l – Flaschen abgefülltes Benzin oder Diesel umfasst.  An der Tankstelle gäbe es auch eine unheimlich süße Cornflakes-Variante, der Gemischtwarenhändler, der neben Obst auch Gebäck  anbietet, hat viele süße Stücke im Angebot, die aber teilweise zu cremig und süß sind.

Nic´s Coffeeshop, der – so seine Werbung – auch über WLAN verfügt, bietet leckere Tee- und/oder Kaffee-Frappes an. Und während Mensch auf seine Bestellung wartet, bekommt man ein Glas mit vielen Eiswürfeln und eine Kanne heißen Tee, der nach dem Einschenken sofort nicht nur trinkbereit sondern gleich kalt ist.

Und so beladen geht´s an den Essenstisch in der Eingangshalle. Bis auf die Oma und die Köchin, die gleichzeitig auch die Putzfrau ist, ist keiner mehr im Haus: die beiden Kinder sind in der Schule und Khemara, die Schulleiterin ist meistens unterwegs.

Laura und ich frühstücken ausgiebig, klönen, planen den Unterricht, entwickeln Ideen – oder beschließen, bis zum Mittagessen so gegen 11.20 Uhr (leuchtet für all diejenigen ein, die früh aufstehen mussten!) zu lesen, zu schreiben, Emails zu lesen etc., etc., um danach den Unterricht vorzubereiten.

Bereits ab 12 Uhr kommen die ersten Kinder: manche – oder vielleicht die Mehrzahl – um mit Freund*innen zusammen zu sein, zu Hause nicht im Haushalt oder auf dem Feld eingespannt zu werden oder weil der Weg von ihrer Schule nach Hause und dann wieder zur Kidshelp School zu lang und umständlich wäre.

Alle aber sind vom Vormittagsunterricht und dem Einsatz zu Hause geschafft, die Konzentrationsspanne vor allem bei den Jüngeren ist relativ kurz.

Um 13 Uhr klingelt es und die Kinder stellen sich im Schulhof auf, nach Größe und auch Geschlecht, und eine ältere Schülerin dirigiert die Lieder, die auf Englisch gesungen werden. Und nach etwa 10 – 15 Minuten werden die Kinder in die einzelnen Klassen geschickt und der Unterricht beginnt – unterbrochen um 14.30 Uhr von einer 30 minütigen Pause.

Um 17.15 Uhr kommen die älteren bzw. die schon fortgeschritteneren Schüler*innen.

Und ab 19 Uhr leert sich das Schulgebäude und der kleine Hof, der als Fahrräder- und Motorroller-Parkplatz diente und vollgestellt war.

Um 19.15/19.30 klingelt es erneut, dieses Mal allerdings zum Abendessen, das im Grunde genommen eine Wiederholung des Mittagessens ist, vielleicht durch ein paar Zutaten erweitert. Wir, d.h. Laura und ich, bekommen viel Gemüse und etwas Fleisch, zusätzlich gäbe es auch für uns eine Schüssel mit einer Art Fischsuppe und Algen, manchmal auch gebratenen Fisch.

Da wir aber täglich sehen, wie alle Arten von Fischen draußen, an staubiger Landstraße oder im Hof getrocknet und von Mücken und Ameisen „besucht“ werden, greifen wir bei diesem Teller fast nie zu.

Nichts für schwache Nerven: Links die Füße nachdem man eine Weile barfuß durch die Gegend gelaufen ist und rechts die Fische die wahrscheinlich genau wegen der vielen Fliegen vor dem Verzehr sehr ausgiebig frittiert werden.

Für alle Kinder bei uns wäre es spannend zu sehen, dass hier die Erwachsenen und Kinder beim Essen oft ein Bein lässig auf den Stuhl stellen. Ein „no go“ bei uns.

Und danach beginnt das Abendritual: duschen, lesen, Emails checken, etc., und den Ventilator so programmieren, dass er nach 1 – 2 Stunden automatisch aufhört und dann versuchen zu schlafen.

Da Laura den früheren Volontär Tom ersetzt, der bereits Mitte Februar zurückflog, hat sie seine Klassen übernommen: 2 relativ große Gruppen. Ich ersetze Siglinde. Ihre früheren Klassen sind relativ klein. Eigentlich ungerecht dieses System, denn es geht etwas schematisch vom Übergabe-Zeitpunkten aus. Vielleicht sollten wir das auf dem monatlichen „Teachers´ Meeting“ ansprechen, neben etlichen anderen Punkten, die uns bei den Frühstücksgesprächen eingefallen sind.

Was unseren Unterrichts-Alltag betrifft, so wird dies zu einem anderen Zeitpunkt Thema sein.

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