Volontärtagebuch – Matthias – Teil 4

Zack… und schon ist es Mitte August. Es ist immer ein wahrlich gutes Zeichen, wenn die Zeit so schnell vergeht, auch wenn man es sich anders wünscht. Das liegt hauptsächlich an den letzten Tagen und Wochen, die sehr ereignisreich waren. Hiermit möchte ich euch einen kleinen Überblick geben, um euch auf den neuesten Stand zu bringen.

Der Unterricht läuft seine geregelten Alltagsbahnen. Besonders die Stunden mit meinen fünf Schülerinnen und Schülern am Abend machen mir besonders viel Freude. Nicht nur die Größe der Klasse lässt mir viel Spielraum, auch das hohe Englischlevel trägt dazu bei, dass unsere Gespräche eine gewisse Tiefe erreichen können. Genug gelacht wird aber trotzdem noch. Nachdem meine Klasse schon den sogenannten Scholarship Test hinter sich gebracht hat, der bei der Entscheidung berücksichtigt wird, welche kommenden Studierenden von unserer Organisation finanziell unterstützt werden, steht kommende Woche auch die finale Klausur an der öffentlichen Schule an. Ich bin mir sicher, dass alle fünf (siehe Klassenfoto, v.l.n.r.: Boutros, Chakriya, Rachana, Srey Sor & Srey Mom) den Abschluss mit Bravur meistern und dieses Jahr noch ihren Traum eines Studiums in Phnom Penh beginnen können. Ich bin sehr froh, sie auf diesem Weg unterstützen zu können, denn schon längst habe ich alle sehr in mein Herz geschlossen.

Auch mein Gitarrenunterricht läuft noch regelmäßig. Insbesondere da jeder nun eine Gitarre zum Spielen hat, sieht man schnelle Fortschritte. Hier nochmal ein großes Danke an alle Unterstützer meiner Spendenaktion „Guitars for Cambodia“. Da immer wieder neue Interessierte auftauchen, musste ich den Unterricht in zwei Level unterteilen. Nun gebe ich zwei Tage die Woche Unterricht für Anfänger und zwei Tage Unterricht für Fortgeschrittene. In beiden Klassen steht der Spaß dennoch im Vordergrund, sodass neben ein wenig Musiktheorie, Rhythmus-Übungen und Akkorde-Lernen auch immer viel gelacht wird.

Den einzigen gitarrenfreien Tag in der Woche nutze ich seit einiger Zeit, um mein Khmer aufzubessern. Freundlicherweise haben sich einige Schülerinnen bereit erklärt mich beim Lernen zu unterstützen. So tauschen wir nun jeden Freitag für eine Stunde die Rollen. Während ich die Schülerperspektive genieße, haben die Schülerinnen viel Spaß daran mein Vokabular auszubauen und meine Aussprache zu verbessern. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar.

Die neu erworbenen Sprachkenntnisse versuche ich dann im Alltag anzuwenden. Das gelingt mir jedoch nicht immer mit Erfolg. So verlief auch mein erster Frisörbesuch in Kambodscha, auf den ich mich einigermaßen sprachlich vorbereitet habe. Abgesehen von „Bitte schneiden Sie mir die Haare.“, „kurz“ und „gut“ konnte der Frisör meinen Ausflügen ins Khmer leider nicht folgen. Trotzdem bin ich mit dem Ergebnis zufrieden. Nur eine Sache verwirrte mich für einige Sekunden. Nachdem meine Haare mehr oder weniger Form angenommen hatte, schnallte sich mein Frisör plötzlich eine Stirnlampe auf und bohrte wie ein Höhlenforscher in meinen Ohren herum. Dieser extra Service kam unerwartet, gefiel mir aber im Nachhinein sehr. Und das Ganze für einen Dollar. Da kann man sich nicht beschweren.

Auch durfte ich letzte Woche meinen ersten Geburtstag auf Khmer Art feiern. Nicht nur meine Gitarrenschüler überraschten mich mit Geschenken, auch meine Abendklasse organisierte statt Unterricht eine Überraschungsparty im Klassenraum: Zuckersüßer Khmer-Kuchen, Musik, Tanz, viel Schweiß und ein komplettes, neues Outfit. Ich hatte großen Spaß mit allen!
Ihr seht also: Langweilig wird es hier so schnell nicht.. Ich hoffe das ändert sich in den kommenden Monaten nicht. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Bis dahin verbleibe ich mit den besten Grüßen. Euer Matthias.

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