Die Englischschule

Geschichte der KHEMARA KIDSHELP SCHOOL (KKS)

DSC_0116Die Englischschule wurde im Jahr 2010 im Ort Prek Dambang errichtet. Die von Phnom Penh etwa 40 Kilometer entfernt liegende Gemeinde hatte sich als Standort angeboten, weil dort viele arme Familien sesshaft waren und es zu wenige Schulen gab.

Nachdem Wegzug des ursprünglichen Schulleiters im Jahr 2013, wurde Khemara zur Direktorin der Schule ernannt. Sie hatte Englisch studiert und in ihrer Zeit als Lehrerin an der Schule bereits viel Mut und Engagement gezeigt.

Der Schulbetrieb

Mittlerweile besuchen rund 400 Schülerinnen und Schüler die Englischschule in Lor Oet, einem Dorf innerhalb der Gemeinde Prek Dambang. Eine solche Gemeinde muss man sich wie eine deutsche Verwaltungseinheit vorstellen. Im Gegensatz zu Deutschland, wo die Gemeinde die kleinste administrative Verwaltungseinheit darstellt, ist die kambodschanische Commune eine mittelgroße Verwaltungseinheit, die aus 3 bis 30 Dörfern bestehen kann[i].

Die Schülerinnen und Schüler an der KKS kommen mehrheitlich aus Lor Oet. Allerdings besuchen auch Kinder aus vielen umliegenden Dörfern die Schule. Es gibt insgesamt 10 Lernstufen, geordnet nach Kenntnisstand (nicht nach Alter), die auf derzeit 12 Klassen aufgeteilt sind. Dass es mehr Klassen als Stufen gibt, liegt daran, dass viele Stufen mehr Kinder haben, als wir in einem Klassenraum unterbringen können und wollen. Diese Stufen werden dann in mehrere Klassen unterteilt. Außerdem finden einige Klassen sowohl nachmittags als auch abends statt. Das liegt daran, dass Kinder ab dem 7. Schuljahr auch nachmittags in die staatliche Schule gehen und deshalb erst am Abend zur KKS kommen können. Die Einteilung der Klassen nach Wissensstand ist zudem sinnvoll, weil grundsätzlich jede:r an der Schule Englisch lernen kann und es oftmals Kinder oder gar junge Erwachsene gibt, die erst relativ spät mit dem Erlernen der Fremdsprache beginnen. Derzeit beschäftigt die Schule elf Lehrerinnen und Lehrer. Diese werden je nach Verfügbarkeit von bis zu zwei Volontärinnen und Volontären (siehe unten) unterstützt.

Auf dem Schulhof wurde 2012 ein weiteres Gebäude mit zwei zusätzlichen Klassenräumen errichtet. Insgesamt umfasst die Schule mittlerweile zehn Klassenräume. Im Erdgeschoss befindet sich eine Schulbibliothek, zu der Schüler:innen unbeschränkten Zugang haben. Die Bücher sind nach Niveaustufen geordnet und es existiert ein Verleihsystem, sodass alle Schüler:innen die Möglichkeit haben, Bücher auch mit nach Hause zu nehmen. Außerdem können natürlich alle Bücher auch von den Lehrer:innen im Unterricht eingesetzt werden.DSC_0098

2019 konnten dank einer großzügigen Spende von Kidshelp England neue Lehrbücher für die unteren Stufen angeschafft werden. Die Lehrer:innen sowie die damaligen Volontärinnen hatten darum gebeten, diese Materialien auszutauschen. Im Gegensatz zur vorher genutzten „Up and Away Series“ sind die neuen Bücher der „Family & Friends Series“ vielen der Lehrkräften aus dem Unterricht an anderen kambodschanischen Schulen bekannt. Außerdem beinhaltet diese Serie viele Zusatzmaterialien, die es den Lehrerinnen und Lehrern ermöglichen, Kurspläne zu erstellen und abwechslungsreichere Methoden anzuwenden. Besonders positiv empfinden sowohl Lehrer:innen als auch Schüler:innen die inkludierten Audiodateien, die Dank mobiler Bluetooth Lautsprecher flexibel in den Klassen eingesetzt werden können.

In den höheren Klassen setzen wir weiterhin auf die in Kambodscha weit verbreitete „New Headway Series“. Dieses Lehrwerk wird auch in den staatlichen High-Schools und in vielen der teuren Privatschulen in Phnom Penh verwendet. Weil sowohl die New Headway als auch die Family & Friends Bücher mit Arbeitsheften arbeiten, bieten wir den Kindern an, diese Hefte zu Beginn eines Schuljahres zu einem reduzierten Preis zu kaufen. Den Restbetrag für die Anschaffung dieser Hefte übernimmt Kidshelp. Dafür verwenden wir Gelder aus Einzelspenden und den Beiträgen unserer Mitglieder. Wie Sie spenden oder Mitglied werden, erfahren Sie hier.

fortbildungen Für Lehrer:innen

Kambodschas Bildungssystem erholt sich nur langsam von vielen Jahren des Bürgerkrieges und die Armut in Kambodscha macht es schwer, gute Schulen aufzubauen. So ist die Ausbildung der Lehrkräfte alles andere als ideal und besonders auf dem Land stellen extrem großen Klassen und schlechte Unterrichtsmaterialien große Herausforderungen dar. Lehrkräfte, die fachlich geeignet sind, zieht es wegen höherer Löhne und der Hoffnung auf einen höheren Lebensstandard oftmals in die Städte.

Aus diesen Gründen versuchen wir auf verschiedenen Wegen, unseren Lehrkräften Möglichkeiten, sich fachlich weiter zu entwickeln, anzubieten. Zum einen ist es uns ein Anliegen, immer wieder interne Fortbildungen anzubieten. Diese werden von unserem Stellvertretenden Schulleiter Tharith durchgeführt, der bereits auf Erfahrung als Lehrer an Privatschulen in Phnom Penh zurückgreifen kann, oder auch von unseren Volontärinnen und Volontären, die, je nach beruflichem Hintergrund, oftmals mehrjährige Erfahrungen als Lehrerinnen oder Lehrer haben.
Darüber hinaus finden an der Englischschule auch zusätzliche Unterrichtseinheiten statt, die nicht immer direkt mit Fremdsprachen-Unterricht zu tun haben. Beispielsweise konnten im Rahmen des Besuchs einer Zahntechnikerin sowohl die Lehrerinnen und Lehrer als auch die Schülerinnen und Schüler viel zum Thema Zahn- und Mundhygiene lernen. Wir verfolgen hierbei nicht den Ansatz, Anzahl und Inhalt von Fortbildungen oder zusätzlichen Veranstaltungen vorzugeben. Stattdessen orientieren wir uns an den Fähigkeiten und Kompetenzen unserer Mitarbeiter:innen und Besucher:innen sowie dem Interesse der Lehrer:innen an den angebotenen Themen.

Darüber hinaus versuchen wir besonders motivierten und talentierten Lehrerinnen und Lehrern den Zugang zu externen Bildungsangeboten zu ermöglichen. So wollen wir nicht nur deren Fähigkeiten verbessern, sondern auch positive Anreize für andere Lehrerinnen und Lehrer schaffen.

DSC_03532019 konnten wir beispielsweise dank einer Spende des Living Responsibility Fund von Deutsche Post DHL allen interessierten Lehrerinnen und Lehrern ermöglichen, am Educational Development Institute (EDI) in Phnom Penh sogenannte TESOL[ii] Kurse zu belegen.

Des Weiteren konnten wir bereits mehreren Lehrerinnen und Lehrern die Möglichkeit für ein weiterführendes Universitätsstudium in Phnom Penh während der Wochenenden ermöglichen. Im Gegenzug verpflichteten sich diese dazu, mehrere Jahre an unserer Schule zu arbeiten und so weiter zur langfristigen Verbesserung der Qualität des Unterrichts beizutragen.

Auch diese Maßnahmen bezahlen wir aus Einmalspenden und Ihren Mitgliedsbeiträgen. Im Namen der Lehrerinnen und Lehrer deshalb vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Volontärinnen und Volontäre

Seit einigen Jahren setzt Kidshelp Kambodscha e.V. auf die Mitarbeit von Volontärinnen und Volontären. Diese konnten seither bereits viele Prozesse anstoßen, die in der Schule, aber auch im Stipendienprojekt, zu nachhaltigen Veränderungen und Verbesserungen geführt haben. So haben viele Schüler:innen, Studentinnen und Studenten durch den regelmäßigen Kontakt zu den Volontärinnen und Volontären aus dem Ausland überhaupt erst den Mut gefasst, auch außerhalb des Unterrichts frei Englisch zu sprechen.
Manche Volontärinnen und Volontäre kommen frisch von der Schule zu uns und können zahlreiche Erfahrungen, die sie selbst im Englischunterricht gesammelt haben, an unserer Englischschule umsetzen und an unsere Lehrerinnen und Lehrer weitergeben. Vorzugsweise suchen wir Volontärinnen und Volontäre, die bereits Erfahrungen im Anleiten von Unterricht und/oder der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gesammelt haben. Darüber hinaus achten wir darauf, dass die Bewerber:innen über sehr gute Englischkenntnisse verfügen. Idealerweise verfügen sie über zusätzliche Qualifikationen, die sie beispielsweise in Zusatzkursen an der Englischschule einbringen können (z.B. Beherrschen eines Musikinstruments, künstlerische sowie handwerkliche Begabungen, Erfahrungen bei der Leitung von Sportgruppen etc.).

In den letzten Jahren hatten wir vermehrt Volontärinne und Volontäre, die bereits ein Lehramtsstudium abgeschlossen hatten oder bereits auf mehrere Jahre Berufserfahrung zurückblicken konnten. Englischschule neu3Auch die Abiturientinnen und Abiturienten, die ein Volontariat absolvierten, hatten in der Regel Erfahrungen aus Tätigkeiten in Vereinen, als Nachhilfelehrer:innen oder aus ihren Schulpraktika. Mittlerweile kommen auch immer wieder sogenannte „Granny AuPairs“ von der gleichnamigen Hamburger Organisation zu uns. Diese Volontärinnen sind 55 Jahre oder älter, wollen in längeren Auslandsaufenthalten neue Kulturen und Menschen kennenlernen, gleichzeitig etwas Gutes tun und ihre Erfahrungen mit den Menschen vor Ort teilen. So konnten wir bereits mehrere pensionierte Lehrerinnen für unsere Schule gewinnen.

All diese Volontärinnen und Volontäre bringen verschiedene und wichtige Aspekte in die Arbeit mit ein und haben so über die Jahre dazu beigetragen, dass der Unterricht an der KKS immer abwechslungsreicher geworden ist.
Abgesehen vom positiven Einfluss auf den Unterricht, profitieren auch die Volontärinnen und Volontäre von diesen Aufenthalten. Sie entwickeln ein besseres interkulturelles Verständnis, lernen noch flexibler zu werden und erwerben z.T. auch komplett neue Fähigkeiten. Und häufig sind in den vergangenen Jahren Freundschaften zwischen Volontärinnen/Volontären und Lehrerinnen/Lehrern, Studentinnen/Studenten sowie Schülerinnen/Schülern entstanden.

Wir können bis zu zwei Volontärinnen/Volontäre an der Schule unterbringen. Bei Interesse an einem Volontariat findest du/finden Sie alle notwendigen Information auf diesen Seiten.

STIPENDIEN / Förderer der Englischschule

DSC_0181Bis Ende 2018 war die monatliche Gebühr für den Besuch der Schule 4 USD pro Kind. Das entspricht in etwa dem Betrag, den wir für den Betrieb der Schule brauchen. Jede Schülerin bzw. jeder Schüler zahlt diese Gebühr and die Direktorin Khemara. Diese zahlt davon dann die Gehälter der Lehrerinnen und Lehrer, Strom, Wasser, Unterrichtsmaterialien, Reparaturen usw. Kidshelp zahlt die Kosten für die Verpflegung der Volotärinnen und Volontäre und die Instandhaltung und Reinigung ihrer Zimmer. Außerdem übernehmen wir in der Regel 50% der Kosten für Reparaturen und organisieren Spenden für Sonderanschaffungen (z.B. neue Bücher). Grundsätzlich soll die Schule aber dazu in der Lage sein, im Falle des Rückzugs der Organisation selbstständig zu funktionieren. Ein von unseren Zahlungen unabhängiges Finanzierungsmodell ist deshalb unabdingbar.

Bis Ende 2018 konnten wir über ein Stipendienprogramm – finanziert von zahlreichen Spenderinnen und Spendern aus Deutschland – etwa ein Viertel der Schülerinnen und Schüler, die aus ökonomisch armen Familienverhältnissen kommen, von den 4 USD Schulgebühren befreien. Laut einem Beschluss der Lokalverwaltung ist es Privatschulen in der gesamten Kommune Prek Dambang allerdings seit Ende 2018 verboten Gebühren zu erheben. Stattdessen zahlt die Lokalverwaltung pauschal 2.50 USD pro Kind. Wir hatten die Unterstützer:innen, die die Stipendien bisher bezahlten, deshalb angeschrieben, über die veränderte Situation informiert und gefragt, ob sie „Förderer der Englischschule“ werden möchten. Wir haben ihnen im Weiteren erklärt, dass das bedeute, dass sie die Summe, die sie bisher für Stipendien gezahlt hatten, weiterhin an uns überweisen und wir mit diesem Geld dann ab sofort den Betrag, den wir monatlich pro Schülerin bzw. Schüler zur Verfügung haben, auf ca. 3.50 USD pro Kind aufstocken würden. Diesem Plan wurde von fast allen Sponsorinnen und Sponsoren zugestimmt. Der Betrieb der Schule ist damit weiterhin gewährleistet.

Wir befürchten allerdings, dass die Lokwalverwaltung die Regeln irgendwann wieder ändert und die Zahlung von 2.50 USD pro Kind komplett einstellt. Sollte dieser Fall eintreten, werden wir alle „Förderer der Englischschule“ informieren und ihre monatlichen Spenden wieder in Stipendien umrechnen. Weil ein Platz an der Schule vor der Förderung durch die Kommunalverwaltung 4 USD gekostet hat, liegt der Mindestbeitrag, um „Förderer der Englischschule“ zu werden, bei derzeit 4 Euro. Natürlich können „Förderer der Englischschule“ uns auch mit einem höheren (frei wählbaren) monatlichen Betrag unterstützen.

Sollte die lokale Verwaltung die Zahlung von 2.50 USD pro Kind einstellen, würden wir wieder zum vorherigen Sytem zurückkehren und Kindern aus ökonomisch armen Familien ein Stipendium zusprechen, das etwa 4 USD pro Monat kostet. Zahlt eine Sponsorin oder ein Sponsor 8 Euro im Monat, würden wir damit ab diesem Zeitpunkt also wieder zwei Schülerinnen bzw. Schülern ermöglichen, kostenlos die Englsichschule zu besuchen. Sollten beim Umtausch von Euro in USD Gewinne anfallen, würden wir diese Gelder zweckgebunden für die Englischschule (bspw. Reparaturen der Schule) investieren.

Wer „Förderer der Englischschule“ werden möchte, findet einen entsprechenden Antrag mit einem Klick auf diesen Link.

[i] https://en.wikipedia.org/wiki/Communes_of_Cambodia
[ii] TESOL = teaching English to speakers of other languages. (Englischunterricht für Sprecher anderer Sprachen)